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 Post subject: War der Untergang der DDR gesteuert?
PostPosted: 16. August 2009, 07:18 
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Eine zugegeben ketzerische Frage, die so gar nicht in das öffentliche Meinungsbild paßt. Wie komme ich zu dieser Frage:

- Wieso kommen tausende von DDR Bürgern im Sommer 89 auf die Idee, Botschaften in Budapest, Prag und Warschau zu besetzen? Das hätten sie schon seit Anfang der 50er Jahre machen können, wenn sie denn gewollt hätten. Denn Richtung Osten herrschte schon Reisefreiheit in der DDR.

- Wieso sprießen genau zu dieser Zeit im Sommer 89 Organisationen wie Neues Forum, Demokratischer Aufbruch, SPD Ost aus dem Boden? Warum mit einem Male soviele Organisationen und dann so plötzlich?

- Warum gab es DDR Bürger, die im Juli 1990 mit Einführung der D-Mark ganz genau wussten, wie man nach bundesdeutschem Recht ein Unternehmen gründet und vor allem finanziert? Denn BRD Wirtschaftsrecht gehörte nicht zum Ausbildungsprogramm von DDR Hochschulkadern, sekundär, welche Fachrichtung sie belegten.

Das sind nur drei Fragen. Sicher gibt es noch mehrere.

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Lieber klar und aufrecht denkend im Kampf gestorben, als stromlinienförmig im Bett verreckt!


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 Post subject: Re: War der Untergang der DDR gesteuert?
PostPosted: 16. August 2009, 09:11 
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Bittrich wrote:
Eine zugegeben ketzerische Frage, die so gar nicht in das öffentliche Meinungsbild paßt. Wie komme ich zu dieser Frage:

- Wieso kommen tausende von DDR Bürgern im Sommer 89 auf die Idee, Botschaften in Budapest, Prag und Warschau zu besetzen? Das hätten sie schon seit Anfang der 50er Jahre machen können, wenn sie denn gewollt hätten. Denn Richtung Osten herrschte schon Reisefreiheit in der DDR.


Das Sterben der DDR hat ja nicht erst Ende der 80er Jahre begonnen. Es ging langsam und behäbig. Wäre schon früher eingetreten, wenn nicht Franz Joseph Strauss für einen Milliardenkredit gesorgt hätte (warum auch immer).

Ich glaube bis weit in die 70er Jahre hinein hätte jeder DDR-Bürger, der in eine osteuropäische BRD-Botschaft gegangen wäre, ein sehr übles Erlebnis gehabt und wäre auf Jahre in den Knast gegangen, oder nicht?

Quote:
- Wieso sprießen genau zu dieser Zeit im Sommer 89 Organisationen wie Neues Forum, Demokratischer Aufbruch, SPD Ost aus dem Boden? Warum mit einem Male soviele Organisationen und dann so plötzlich?


Hier im Westen wurde es auch unter Normalbürgern so erklärt: "Die Zeit ist reif. Das System dort drüben hat abgewirtschaftet, die Menschen erdulden den Zwang nicht länger." Daß sich dann die unterschiedlichsten Gruppierungen bilden, ist logisch Jeder halt nach seiner Fasson. Ich würde auch nicht unbedingt in eine Widerstandsgruppe mit Gläubigen Protestanten gehen wollen.

Quote:
- Warum gab es DDR Bürger, die im Juli 1990 mit Einführung der D-Mark ganz genau wussten, wie man nach bundesdeutschem Recht ein Unternehmen gründet und vor allem finanziert? Denn BRD Wirtschaftsrecht gehörte nicht zum Ausbildungsprogramm von DDR Hochschulkadern, sekundär, welche Fachrichtung sie belegten.


Also einen Grund weiß ich definitiv:
1989 war ich noch als Selbständiger im Vertrieb für Dienstleistungen. In der Branche hier im Westen herrschte Aufbruchstimmung. Wer immer auch wollte, ging "rüber" und hat dort entweder als Vertriebler für Versicherungen etc. "Ossis abgezockt" oder aber er hat kleines West-Kapital vermittelt, einen DDR-Bürger vor Ort als Aushängeschild genommen, den seine Ost- zu West- 1:1 Umtausch-Spargelder investieren lassen, sein West-Geld wieder herausgezogen und den Ossi dann im Regen stehen lassen. Manche Ossis haben es überlebt, tausende begannen dann kurz nach der Wiedervereinigung mit einem Schuldenberg.

Ich kenne eine bürgerliche Familie in der Nähe von Chemnitz. Die waren auch zu DDR-Zeiten schon selbständig. Hatten sehr hohe Sparguthaben Ostmark. Nach der Wende ging das Schlag auf Schlag. Sie sitzen heute mit mehreren Familienmitgliedern in Scblüsselpositionen: Stadt- und Landräte, Banken, IHK, Handwerkskammer. Ihnen gehören Immobilien und ihr Wort hat hohes Gewicht. Sie haben sich gesund gestoßen mit der Wende. Wählen heute fleißig CDU und sind natürlich auch in der CDU aktiv mit Pöstchen vertreten. "Krisengewinnler" - sagt man so?

Das sind nur drei Fragen. Sicher gibt es noch mehrere.[/quote]

So, wie ich schrieb, wird das hier im Westen gesehen.
Vielleicht kann jemand aus Mitteldeutschland auch einmal schreiben, wie man es dort sah bzw. sieht.

Heinz

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 Post subject: Re: War der Untergang der DDR gesteuert?
PostPosted: 16. August 2009, 09:15 
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Ach noch was...

In dieser Zeit lag hier am Rhein Schiff neben Schiff. Angemietet von den Stadtverwaltungen oder dem Land, voll mit Republik-Flüchtlingen. Aber Du mußt nicht denken, daß die hier bei der Bevölkerung willkommen gewesen wären. "Die stinken", "Scheiß-Ossis, sollen selber was auf die Beine stellen in ihrer DDR." so in die Richtung. Hinweise, daß jeder stinkt, der auf einem Rhein-Schiff vier Wochen verbringt... keinen Zweck. DDR-Bürger wurden anfang hier gesehen wie Ausländer. Aber ich glaube nicht, daß Wessis in Mitteldeutschland damals sehr viel besser angesehen wurden, oder?

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 Post subject: Re: War der Untergang der DDR gesteuert?
PostPosted: 16. August 2009, 10:23 
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Natürlich war der gesteuert. Alle die dagegen waren z.B. Briten und Franzmänner waren mit der Planung aussen vor. Das war ein grosses politisches Geschäft, was damals abgewickelt wurde und jeder der mitspielte, bekam etwas auf Kosten Deutschland´s.

Ich muss immer noch lachen, wenn der dritte Oktober im B-Fernsehen als friedlicher Aufstand des mitteldeutschen Volkes dargestellt wird..... :lol: ...... Wer das glaubt, lebt wirklich in der Glückseelig oder Unwissenheit. Nun ja, man kann es eigentlich niemandem verdenken. Über das Thema wird nicht oft und tief genug recherchiert von offizieller Seite. man kommt auch schlecht an die wahren Quellen ran. Aber seit euch gewiss, die ehemalige SBZ ist genauso wenig "zufällig" gefallen, wie Kohl der Kanzler der deutschen Einheit war.

Ach ja, noch was zu Heinzens Erfahrungsberichten damals. Die bundesdeutsche Presse hat, nachdem der erste Freudentaumel der Teilvereinigung vorbei war, schnell angefangen im mitteldeutschen Dreck zu wühlen. Die ham sehr viel dazu beigetragen das nicht so schnell zusammenwächst was zusammengehört. Tja, teile und herrsche......Ossi gegen Wessi, die Gräben sind heute noch zu spüren.



GruSS

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 Post subject: Re: War der Untergang der DDR gesteuert?
PostPosted: 16. August 2009, 12:28 
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Die Franzosen bekamen die mitteldeutsche Minol und alle anderen die Zusicherung, dass wir unsere starke Währung aufgeben und unsere aufstrebende Wirtschaftskraft allen Schmarotzern um uns rum in einer sogenannten europäischen Union zur Verfügung stellen. Einfach zum kotzen was die mit uns treiben.

Mit dem Geld was wir in die EU pumpen könnten wir wahrlich blühende Landschaften, und zwar in Ganzdeutschland, entstehen lassen. Von den wirtschaftsfeindlichen Maßgaben aus Brüssel die zum Untergang unseres Bauernstandes führen, mal ganz abgesehen.......Es gibt also viel zu tun, sollte sich der Wind bald drehen.




Ralle

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" Durch ihre Unglaubhaftigkeit, entzieht sich die Wahrheit dem Erkanntwerden "


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 Post subject: Re: War der Untergang der DDR gesteuert?
PostPosted: 16. August 2009, 15:53 
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Ich denke auch, daß das Alles 1989 - 90 gesteuert war. Mit dem Vatikan könnte stimmen. Die Polen sprechen sehr offen darüber, daß die Umwälzung zumindest in Polen mit Paul II. zusammenhängt.

So marode, wie heute dargestellt, war die DDR Wirtschaft gar nicht. Sie war in einigen Gebieten schlicht weg ein Konkurrent, dessen man sich ab Anfang der 90er einfach entledigen konnte. Durch die Treuhand unter Leitung von Frau Breuel wurden gezielt Unternehmen in die Insolvenz geschickt, die massenweise Aufträge hatten. Das geben mittlerweile sogar Politiker zu. Denen kann ja auch nichts passieren. Sie sitzen ja selbst im Trockenen.

Es gab einige Produkte, die vor 89 in der DDR als sogenannte Gestattungsproduktion hergestellt wurden und dann gen Westen gingen. Z. B.: Schallplatten der Beatles eigenen Marke Apple. Sie wurden bei Amiga in Potsdam Babelsberg gepresst. Praktika Kameras aus Dresden gabs bei westdeutschen Versandhäusern. Und PKW Wartburg wurden noch bis kurz vor Mauerfall nach Dänemark exportiert.

Andere Industriezweige, wie eben Leuna wurden gezielt an ausländische Unternehmen, hier ELF verscherbelt. So blieb auch die Raffinerie Schwedt / Oder in Betrieb. Hier kommt aus DDR Zeiten eine Erdölleitung aus Rußland an. Dort wird wie früher Benzin und Diesel produziert.

Und das bspw. Continental in Hannover gar kein Interesse haben konnte, dass sein früherer Zulieferer Pneu Mant in Fürstenwalde als eigenständiges Unternehmen überlebt und selbst Reifen produziert, das ist doch klar. Dito Motorräder aus Zschopau und Suhl, Fahrräder aus Sachsen usw. usf.

Vielleicht war das Jahr 1990 wirklich der Beginn der dritten Welle, die ich einmal in einem anderen Strang thematisierte. Denn das, was wir jetzt Alle erleben, konnte nur funktionieren, wenn man sich vorher der DDR entledigte.

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 Post subject: Re: War der Untergang der DDR gesteuert?
PostPosted: 16. August 2009, 16:57 
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Joined: 27. March 2009, 03:14
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Bittrich wrote:
- Wieso kommen tausende von DDR Bürgern im Sommer 89 auf die Idee, Botschaften in Budapest, Prag und Warschau zu besetzen? Das hätten sie schon seit Anfang der 50er Jahre machen können, wenn sie denn gewollt hätten. Denn Richtung Osten herrschte schon Reisefreiheit in der DDR.

- Wieso sprießen genau zu dieser Zeit im Sommer 89 Organisationen wie Neues Forum, Demokratischer Aufbruch, SPD Ost aus dem Boden? Warum mit einem Male soviele Organisationen und dann so plötzlich?

- Warum gab es DDR Bürger, die im Juli 1990 mit Einführung der D-Mark ganz genau wussten, wie man nach bundesdeutschem Recht ein Unternehmen gründet und vor allem finanziert? Denn BRD Wirtschaftsrecht gehörte nicht zum Ausbildungsprogramm von DDR Hochschulkadern, sekundär, welche Fachrichtung sie belegten.


Einfache Fragen, einfache Antworten:

- Vielleicht gibt es hier ein paar Leute, die sich an das Gefühl erinnern können, der letzte zu sein? Wenn Nachbarn plötzlich weggehen, Züge voller Menschen vom Dresdner Hauptbahnhof in Richtung Prag ausfahren ... Aus einen Windstoß wurde ein Sturm. Muß wohl irgendetwas mit Massenpsychologie zu tun haben.

- Es gab in der DDR genug Menschen, die schon jahrelang "die Schnauze voll" hatten und etwas ändern wollten. Die spürbare Lähmung der Stasi gab ihnen Gelegenheit dazu.

- "Ossis" haben zwar kein BRD-Wirtschaftsrecht studiert, aber eine GmbH ist nicht solch ein komplexes Gebilde, daß man es nicht schnell überschaut. Ins Wasser gesprungen und schwimmen gelernt haben sie. Manche sind dabei ertrunken, manche sind schnell gute Schwimmer geworden.

Eine Verschwörung war's nicht, auch wenn alte SED-Genossen noch heute davon schwafeln, Gorbatschow wäre CIA-Agent gewesen. Allerdings haben sich sehr schnell die Hyänen aus dem Westen eingefunden, um sich an den Kadavern der mitteldeutschen Industrieruinen fett zu fressen. :mrgreen:

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"Wenn ich Kultur höre… entsichere ich meinen Browning." (Hanns Johst, deutscher Schriftsteller und Dramatiker, 1890-1978, in seinem Drama "Schlageter", München 1933, 1. Akt, 1. Szene)


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 Post subject: Re: War der Untergang der DDR gesteuert?
PostPosted: 16. August 2009, 22:23 
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Joined: 12. March 2009, 11:52
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Hallo Bittrich,

erstmal zu deiner Einschätzung der DDR-Wirtschaftskraft. Volle Auftragsbücher zu haben, heißt nicht unbedingt eine echte Konkurrenz zu sein. Arbeits- und Absatzfähig war die DDR-Industrie nur in ihrem abgeschlossenen Biotop unter simulierten Bedingungen, solange die Arbeiter mit Spielgeld statt echter Währung entlohnt wurden und die Arbeitsbedingungen bei uns (ich denk da mal an BUNA, da waren Verwandte von mir) waren so miserabel, alleine die Umsetzung einfachster Arbeits- und Umweltschutzstandards hätte die Betriebe ruinieren können. Konkurrenzfähig also solange die DDR bestand, weil sie bei Wegfall der Westverträge einfach so irgendwas nach Plan weiterproduziert hätten. Im eigenen Land hatten sie ja keine Konkurrenz zu befürchten. Unter Marktbedingungen wären sie bestimmt nicht lebensfähig gewesen. Daß der Westen in der Lage sein würde, den Güterbedarf der DDR-Bevölkerung abzudecken und die einheimische Produktion nicht mehr benötigt wird, war aber schon 89/90 bekannt.

Hallo Grampax,

ein friedlicher Aufstand wars nicht wirklich, eher ein Zusammenbruch oder noch besser Kollaps, weil keiner mehr mitspielen wollte.

Zu den Fragen:

Frage 1: Botschaftsflüchtlinge gab es schon in den vorigen Jahrzehnten immer wieder, z.B. über die ständige Vertretung in Westberlin, allerdings nicht in diesen Massen. Da hat Waldbruder mit seiner Massenhysterie schon recht, wir haben ja jden früh in Arbeit, Schule oder Uni gezählt, wer noch da ist. Zu behaupten es habe eine Reisefreiheit in die Ostblockländer gegeben ist Unsinn. Die Reisen nach Polen waren bereits seit 1981 erschwert, es gab auch keinen freien Post- oder Paketverkehr mehr zwischen Polen und DDR (hatte mit Solidarnosc und polnischer Verhängung des Militärrechts zu tun). Länder wie Rumänien oder Jugoslawien waren meist nur nach intensivster Durchleuchtung des Reisenden und dann manchmal trotzdem nur mit Stasi-Begleitung (die sog. Reiseleiter) möglich, auch die Einreise in die Sowjetunion war nicht mal eben so zu bewerkstelligen und Albanien war sowieso tabu. Reisefreiheit bestand eigentlich reell nur für die Tschechoslowakei, Ungarn und Bulgarien.

Frage 2: Es gab auch vorher zahlreiche Organisationen, allerdings hatten die nicht die Unterstützung der westmedien. 89 gab es einfach eine andere Berichterstattung als in den Jahren zuvor, so daß mehr DDR-Bürger übers Westfernsehen mitgekriegt haben, was los ist und sich deshalb anschließen konnten. Zudem gab es im Sommer 89 erstmals eine inhaltliche Auseinandersetzung in den DDR-Medien mit diesen neuen Gruppen (z.B. Berichte in der Aktuellen Kamera, Junge Welt-Artikel "Brauchen wir ein Neues Forum?" - die Antwort des Redakteurs hieß übrigens nein). Und Waldbruder hat recht "Wir bleiben hier" war eine Drohung, bis dato ließ sich die Unzufriedenheit kanalisiern indem man Leute erst zermürbte und dann ausreisen ließ oder gleich mal so ausbürgerte, oder Oppositionelle verurteilte um sie dann an den Westen zu verkaufen. Daß man sich dadurch natürlich eine schlagkräftige Verbindung in den Westen aufbaut haben die Kommunisten offenbar übersehen, denn über die ganzen Leute die drüben gelandet waren, ließen sich die Dinge natürlich auch besser an die "Weltöffentlichkeit" kommunizieren. Und plötzlich erklären die Unzufriedenen "wir bleiben hier", wir gehen nicht mehr weg, wir wollen unsere Heimat behalten aber verändern. Das war eine andere Situation als in den Jahren zuvor.

Frage 3 haben die anderen glaub ich schon ganz gut beantwortet.

Obs gesteuert war, weiß ich nicht, wichtig ist aber, daß´die Sowjets für die DDR-Führung keinen Finger mehr gerührt haben, die haben die ienfach fallen lassen, sonst wärs nicht so glatt abgegangen. In Peking hatten sie ja ein paar Monate vorher nochmal gezeigt, daß es auch anders geht.


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 Post subject: Re: War der Untergang der DDR gesteuert?
PostPosted: 16. August 2009, 23:01 
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Aus heutiger Perspektive bin ich überzeugt, dass der Ostblock absichtlich abgewickelt wurde. Als ich damals ein kleines Oppositionsrädchen war, hätte ich das für eine wüste Verschwörungstheorie gehalten. Ich hatte auch keinen Verdacht geschöpft, wieso ich so viel mit Briten und Amerikanern (aber nicht mit Westdeutschen!!!) zu tun hatte. Das lief alles über die Kirchengemeinde und mußte gut, freiheitlich und demokratisch sein. Dachte ich damals ebenso, wie ich von unserem Kampf auf der Montagsdemo überzeugt war. Aber das lief nach der Fälschung der Kommunalwahlergebnisse im Frühjahr alles ziemlich genauso, wie kürzlich im Iran.

1993 kam dann das GATS-Abkommen und der Weg war frei für das Globalisierungs-Experiment.

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Es gibt Wahrheiten, die nicht für alle Menschen und nicht für alle Zeiten gelten. (Voltaire)


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 Post subject: Re: War der Untergang der DDR gesteuert?
PostPosted: 17. August 2009, 08:13 
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Reval wrote:
Aus heutiger Perspektive bin ich überzeugt, dass der Ostblock absichtlich abgewickelt wurde. ..
1993 kam dann das GATS-Abkommen[/url] und der Weg war frei für das Globalisierungs-Experiment.


Diesem Ansatz kann ich folgen. Es war ja nicht nur die DDR, die da abgewickelt wurde, es war der gesamte Ostblock und das innerhalb kürzester Zeit. Das ist das Erstaunliche. Natürlich wurden in der DDR teilweise Waren produziert, die gern im Westen gekauft wurden. Man stelle sich bspw. mal vor, man hätte die Trabi Leute in Zwickau wirklich nach 89 machen lassen, was sie auf den Reißbretttern hatten. Dann wäre eine Konkurrenz zum VW Polo dagewesen. Auch nachdenkenswert, dass in Eisenach heute Opel (GM) produziert und nicht BMW. In Eisenach waren vor 45 BMW Werke. Warum gingen sie nach 89 an GM. Rückübertragung sieht anders aus. Und wenn die Waren der DDR wirklich so schlecht waren, dann ist doch die Frage, warum der Wartburg nach DK exportiert wurde, warum westdeutsche Versandhäuser Kameras aus Dresden und Modelleisenbahnen aus Ostberlin anboten und warum im Sommer eines jeden Jahres die LKWs mit frischem Obst direkt aus dem heutigen Landkreis Oberhavelland gen Westberlin fuhren und dortige Supermärkte belieferten? IKEA lies übrigens auch in Sachsen produzieren.

Allein die Währungsumstellung zum 01.07.1990 führte dazu, dass der DDR mit einem Male alle Aufträge aus den Ostblockstaaten wegbrachen. Die Kunden in Polen, Tschechien, Russland konnten einfach nicht bezahlen, weil sie nicht genuge D-Mark genug hatten. Hätte man, wie von vielen Ossis gefordert, die DDR Mark konvertierbar gemacht, von mir aus zum Kurs von 1:100, dann hätte sich die Wirtschaft der DDR in Ruhe in Richtung Marktwirtschaft entwickeln können. Dann hätten nämlich auch die Kunden in Osteuropa in DDR Mark bezahlen können und das heutige Gesamtdeutschland würde einen riesigen Markt bedienen. Nur dann wäre halt Coca Cola, McDonald & Co. heute vermutlich in Osteuropa nicht so weit vebreitet.

Eine weitere Facette ist der nicht aufgeklärte Mord an Herrn Rohwedder. Er wollte nachvollziehbar den Weg der Migration auf Augenhöhe gehen. Nach Herrn Rohwedder kam Frau Breuel. Die Treuhand wickelte unter Führung von Frau Breuel mit einem Male nur noch ab.

Folglich konnte Anfang der 90er leider wirklich das Globalisierungsexperiment starten. Und Churchills Wunsch, daß er Deutschland am Liebsten als Agrarstaat sehen würde, wurde zumindest auf dem Gebiet der ehemaligen DDR wahr.

Es geht hier nicht darum, das System der DDR heilig zu sprechen. Das System war keinesfalls heilig. Man findet bei einer objektiven Beurteilung der Vorgänge der Jahre 89/90 Antworten auf Fragen, warum sich Deutschland heute so entwickelt hat und warum wir ALLE heute mit dieser Krise zu kämpfen haben. Das ist das Interessante daran.

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 Post subject: Re: War der Untergang der DDR gesteuert?
PostPosted: 17. August 2009, 09:53 
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Joined: 12. March 2009, 11:52
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An der Qualität der DDR-Produkte gibts nicht viel zu meckern, ich kenne Haushalte in denen heute noch DDR-Glühlampen brennen, der Fertigungsnasatz war ein anderer, heute geht es ja darum, daß die Leute möglichst viel konsumieren, schnell nachkaufen, da sind langlebige Produkte Gift für die Wirtschaft. Nur leider wurden die DDR-Produkte unter völlig unwirtschaftlichen Bedingungen hergestellt. Das mit der Währungsumstellung ist klar, es mußten ja möglichst schnell Absatzmärkte für die Konzerne erschlossen werden. Ab Anfang 1990 konnten wir ja in der Zone "Westprodukte" für Ostgeld erwerben, nur eben zu Umrechnungskursen, da hat man schon überlegt ob man sein Geld 1:4 oder höher für ein Westprodukt ausgibt oder doch lieber das günstigere einheimische kauft, ab dem 1.7. war die Entscheidung obsolet.

Grampax hatte mal in einem anderen Faden eines meiner Lieblingsbücher empfohlen - Das schwarze Reich von Carmin, da finden sich u.a. zumThema Ostblockentsstehung und Ostblockabwicklung gute Ansätze, die man weiterdenken kann. Und mit seinen knapp 200 Seiten (allein in der Taschenbuchausgabe!) Zitatennachweis und Literaturangaben ist es eine echte Fundgrube für Buchlinge.


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 Post subject: Re: War der Untergang der DDR gesteuert?
PostPosted: 17. August 2009, 10:02 
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Joined: 27. May 2009, 18:10
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Da fällt mir noch ein Beispiel meiner Thesen ein, welches Jeder einfach prüfen kann.

1989 /90 war die Niederlassung des U$ Konzerns DELL in Langen nahe F./M. sehr klein. Kaum Einer kannte Dell.

Im gleichen Jahr produzierten Siemens, Nixdorf, Peacock u. a. westdeutsche Unternehmen Computer. Zu gleicher Zeit führte die in Privatisierung befindliche Ascota (ex Robotron) in Chemnitz (Sachsen) die Produktion ihrer PC´s weiter und belieferte bestehendes Kundenklientel in Osteuropa.

Anfang der 90er brach Ascota und auch Robotron zusammen. Eine Ursache war schlicht die Tatsache, daß die Russen u.a. Osteuropäer Ihre Rechnung nicht bezahlen konnten oder wollten, weil über Nacht die D-Mark Zahlungsmittel war.

Ende der 90er wurde Peacock verkauft. Ur Siemens PC´s und Ur Nixdorf PCs gibt es auch schon lange nicht mehr. DELL aus den U$A, die 1990 Keiner kannte, sind heute Welt bekannt.

Zweites Beispiel: Es gab Ende der 90er die These der Achse Paris - Berlin - Moskau. Fragt mal heute Politiker danach???

Dritte Frage und damit soll dann auch genug sein: Man stelle sich vor Diamant Rennräder aus Chemnitz würden heute weiter produziert und bei der Tour de France eingesetzt. Man stelle sich vor, Simson Zweiräder aus Suhl würden wie in den 60ern Titel bei den Six Days auf der Isle of Man holen und MZ Motorräder würden bei den Motorrad WM genutzt. Gab es alles schon mal. Gibt heute selbst die Auto Bild zu, daß Kraftfahrzeuge aus der DDR in den 60ern auch im Westen anerkannt waren.


Alles Zufall Oder was???

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 Post subject: Wende in der DDR vom System gewollt ?
PostPosted: 20. October 2009, 11:48 
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Joined: 17. September 2009, 19:34
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So wie gewünscht habe ich nun ein eigenes Thema zu meiner Frage eröffnet .

Es kam hier im Forum zu einem anderen Thema als Nebenthema die Wende in der DDR zum tragen. Es wurde die These in den Raum gestellt ,dass der Systemumschwung und der "Fall der Mauer " durch die Politbonzen gesteuert wurde .

Ich persönlich bin sehr daran interessiert zu diesem Thema mehr zu erfahren . Nicht zuletzt deshalb,weil ich von dieser These bisher noch nie etwas gehört habe und mich wirklich jede Meinung zu diesem Thema interessiert . Auch sind mir Leseempfehlungen zu diesem Thema sehr willkommen .

Ich möchte auch kurz meine bisherige Meinung zu diesem Thema kurz umreißen .Ich ging bisher davon aus das die Machthaber der DDR nicht mehr waren als Befehlsempfänger Moskaus . Die einzelnen politischen Strömungen innerhalb der KPDSU stritten wohl erbittert gegen Gorbatschow über geeignete Wege ,wie mit den einzelnen Satellitenstaaten des roten Reiches zu verfahren sei .Bisher ging ich davon aus ,dass man mangels Masse die Zügel zu den einzelnen Satellitenstaaten des roten Machtbereiches schleifen ließ . Auch ging ich bisher davon aus das die DDR Führung kurzzeitig damit spielte mit China ein engeres Bündnis einzugehen ,falls die Unterstützung aus Moskau zukünftig ausfallen würde .
Ansonsten hatte ich bisher immer den Eindruck ,dass die Mitglieder des DDR -Politbüros wenig Weitsicht besaßen und aufgrund der Erfolglosigkeit Ihres Systems immer mehr zu getriebenen wurden .Man versuchte zwar sich in der Machtposition zu halten indem man bei immer größerem Druck des Volkes Zugeständnisse machte . Dies wirkte auf mich aber keineswegs geplant und auch nicht durchdacht sondern eher hilflos . Besonders deutlich erschien mir dies an solchen Leuten wie Egon Krenz und Hans Modrow . Diese wirkten immer von den Forderungen der Gegenseite gehetzt in all Ihrem tun und schafften nichts als ein wenig auf Zeit zu spielen .Nichtsdestotrotz ging ich bisher immer davon aus ,dass gerade solche Leute die DDR sehr gern im alten Zustand noch sehr lange erhalten hätten und als Machthaber in der DDR die Montagsdemos keineswegs begrüßten oder gar selbst inszenierten . Auch ging ich bisher nicht davon aus das die bisherigen wahren Machthaber in der DDR ,nämlich die Russen , die Demos inszenierten . Ich bin aber gern bereit mir andere Meinungen zu diesem Thema anzuhören .


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 Post subject: Re: Wende in der DDR vom System gewollt ?
PostPosted: 20. October 2009, 17:32 
Horch mal hier genau hin was der ältere Herr mit dem Spitzbart über die Wende ´89 sagt
http://www.youtube.com/watch?v=t6g8ppJM ... playnext=1
Ich weiß nicht ob im Teil 1 aber die anderen Teile sind ja ebenda auch zu finden.
Man findet zu diesem Thema, deswegen hier mal ganz interessant eine andere Sicht der Dinge.
Dass das "Volk" die Wende herbeigeführt hat, halte auch ich für ein Märchen. Aber wie gesagt, solange alle schweigen die was zu erzählen hätten und sämtliche Akten unter Verschluss snd (Rosenholz) kann man nur rätseln. Deswegen war die Aussage des Herrn so bemerkenswert.


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 Post subject: Re: Wende in der DDR vom System gewollt ?
PostPosted: 20. October 2009, 17:47 
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Joined: 22. March 2009, 20:41
Posts: 956
Location: Mittelfranken
@Frank M.

Was werden die Hunderttausend, mitteldeutschen Mitbürger dazu sagen, wenn du hier versuchst, Alles, was sie zum Thema "friedlicher Systemwechsel durch Volkswillen möglich gewesen" geglaubt haben, einer neuen Aufarbeitung unterziehst ? Sämtliche Illusion wäre ja dahin, ja, auch selbst wenn diese Aufarbeitung zu keinem befriedigenden Ende kommt, wären Zweifel gesät und würden schwärend wie ein Stachel, im mitteldeutschen Fleische stecken.......Oder meinte ich ein ganz anderes Ereignis bei dem das Aufarbeiten und Zweifeln unter Umständen etwas unglückliche Folgen haben könnte ???


Aber jetzt mal Spass beiseite. Ich finde das Thema sehr interessant und auf jeden Fall diskussionswürdig. Das dieses Ereignis nicht ganz sauber und astrein abgelaufen ist, pfeiffen mittlerweile, ziemlich viele Spatzen von den deutschen Dächern. Aber es fehlen mehr oder weniger die Beweise dafür. Vieleicht können wir in diesem Strang einiges zusammentragen um diese Sache etwas aufzuhellen.


Werd mal schauen, ob ich meinen Archiven etwas dazu finde.



GruSS

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